Salonlesung
Dr. Monika Wogrolly
18. September 2004

Vom Pier kam der Glockenklang zur Abfahrt. Michele hatte auf unserer letzten Bootsfahrt in Venedig seine Hand zwischen meine Schenkeln gelegt und mich im Meer vor Nettuno minutenlang geküsst und am Strand entlang im Nacken geführt, ohne auch nur einmal seinen Griff zu lockern. „Damit du nicht vom Weg abkommst, süßes Sklavenmädchen“, hatte er gesagt, und der Schmerz und das Leid waren darunter verborgen gewesen. Die Bedeutung, die er mir gab, hatten mich wieder hoffen lassen... In Siena beim Palio, in der Kontrade „Giraffe“, in der das Ambulanzgebäude stand, hatten wir uns auf eine Weise angesehen, wie Oliver Kahn und seine Gattin auf dem Titelfoto der Bild-Zeitung kurz vor dem offiziellen Beziehungsende, mit dem Bilduntertitel: „Wenn Blicke nicht trügen können und die Wahrheit sagen, werden sich diese beiden auch nach der Trennung noch viel zu sagen haben...“