Illuminationen und fliegende Teppiche
27. März – 30. April 2008

Der Ausgangspunkt der fortlaufenden Bilderreihe ist ein fotografischer. Bereits der Titel Illuminations verweist auf deren Ursprung: Licht – Beleuchtung, Inszenierung, Feier – auf in Licht-setzung. Licht ist die Voraussetzung von Farbe und Sehen überhaupt und somit auch von Malerei und Fotografie.
Die lebensnahen Situationen, im Zusammenhang mit exzessiven, aufwendig inszenierten Parties und Empfängen, erfordern einen Umweg: das Mitnehmen der Bilder mit Hilfe von Fotografie und sie ermöglichen gerade deswegen diese atmosphärischen Spielereien, die zu den hier gezeigten Ergebnissen führen – abstrakte Lichtspiele mit einem realem Hintergrund aus dem urbanen Leben, Alltag und Umfeld, transformiert in Malerei. Sie erzählen von Berlins Nächten, an- und aufregenden Begebenheiten, Begegnungen voller Genuss und Euphorie. Sie lassen Berlin leuchten und schimmern wie noch nie gesehen. Sie lassen die Stadt als ein großes Environment erscheinen. In der taz wurde Hubi W. Jäger deswegen als „Magier des Lichts“ bezeichnet (B. Werneburg). Seine Bilder erzählen von Glamour und lassen gleichzeitig dessen Schattenseite, den Absturz, erahnen. Sie schlagen den Bogen von den 20er Jahren, Fotografie, Experimenten, wie z.B. von Raoul Hausmann,Erich Comeriner, Moholy-Nagy, ja auch von Lesser Ury's Nachtbildern zu heute.
„Die Bilder liegen auf den Straßen der Stadt“, sagt Hubi W. Jäger, „sie lauern an jeder Ecke auf uns“. Der Künstler ist ständig in der Stadt unterwegs – ein Flaneur, ein Connaisseur ihrer Schönheit und Hässlichkeit, Extasen, Abgründe, ihres informativen Gedächtnisses. Wir müssen nur hinsehen und bereit sein, sie zu erkennen, zu finden. Genau dies ist sein Arbeitsprinzip. Die Dinge gaukeln uns etwas vor, sie verwirren uns und unseren Blick auf die Welt. Er fordert uns auf, wieder hinzusehen – hinter die Dinge und den Alltag zu blicken. Er nimmt sie mit Hilfe von Fotografie mit und transformiert sie in seine Malerei (Illuminations oder Portraits von den Strassen) oder er sammelt Plastikteile von der Strasse auf, Relikte der Konsumgesellschaft, die er zu Assemblagen weiterverarbeitet (Asphaltblumen, fliegende Teppiche u.a.) oder er benutzt gefundene Dinge – Objects
Trouvés – für situative Ortsbeschreibungen (Reise von... u. a.)… Ein Leben zwischen Glamour und Trash.
Hubi W. Jäger ist ein Spurensucher, ein neugieriger Beobachter, ein Entdecker unserer urbanen Um-Welt, ein zeitgenössischer Stadtarchäologe mit Blick auf die kulturellen und politischen Schichten der verlorenen oder plakatierten Jetzt-Zeit. Ein Augenöffner. Und doch sind alles nur Bilder.