Pentimenti

Ute Lindner

14. September – 28. Oktober 2012

Pentimenti – Ute Lindner

Die Berliner Künstlerin Ute Lindner konzipiert eigens für die Ausstellung im Löwenpalais raumfüllende, Wandarbeiten in situ, inspiriert von einer Lesung von Hanns Zischler, die im Rahmen eines Projektes der Künstlerin in der Akademie der Künste 2002 aufgezeichnet worden ist: "Ein Kunstkabinett" von Georges Perec, eine Kurzerzählung von Jorge Luis Borges sowie ein Text von Hanns Zischler selbst zum Thema Schatten. Ohne das illustrativ zu verstehen, beschäftigt sich jeder der drei Räume im Löwenpalais vorrangig mit einem dieser Themen, also mit Spiegelung, Labyrinth und Schattenbildern.

Der Begriff „Pentimenti“, der der Ausstellung seinen Titel gibt, bezeichnet im herkömmlichen Sinn die unsichtbaren Bilder, die sich auf Gemälden in unteren Farbschichten verbergen und nur durch UV- oder Röntgenstrahlen erkennbar werden. Pentimenti als Ausstellungstitel wird so zu einer Suche nach dem Bild im Bild.

Im zentralen Raum entsteht eine fast 80 qm große Wandarbeit, die die gesamte Wandfläche einnimmt. Damit ist der eigentliche Zugang zur Ausstellung versperrt. Der Eingang erfolgt über die große Flügeltür zur Straßenseite hin. Dieser Raum ist geprägt durch die beeindruckenden Fenster samt Vorhängen und Lüster. Diese Wand wird im Maßstab eins zu eins als Wandarbeit auf die gegenüberliegende Wand "projiziert", aber nicht als Film, sondern real fototechnisch als Cyanotypie auf Stoff, einem alten fotografischen Kopierverfahren, bei dem sich durch das Sonnenlicht die Eisensalzverbindung in leuchtendes Blau verwandelt. Die Wandarbeit ist jedoch nicht einfach eine fotografische Abnahme und Übertragung in die Cyanotypie. Da, wo die Fenster sind, sieht man nicht den Blick nach draußen, sondern der Raum scheint sich ins Unendliche zu spiegeln.

Der zweite Raum zeigt Arbeiten, die aus der Bremer Kunsthalle stammen. Ausgehend von Aufnahmen aus dem Bibliotheksraum der Kunsthalle entstehen Fotocollagen, die den Raum mit den Besuchern labyrinthisch auflösen. Die Bilder sind auf Acryl aufgezogen und ihre Form ist unregelmäßig ausgeschnitten, so dass sie eine dreidimensionale Wirkung entwickeln.

Der dritte Raum beschäftigt sich mit Schatten. Dort sind Schattenbilder aus Museen zu sehen aus der Serie der „Belichtungszeiten“. Hierbei handelt es sich um originale Wandtapeten aus Museen, auf denen die Bilder ihre Schatten hinterlassen haben und der Stoff um die Bilder ausgeblichen oder nachgedunkelt ist. Es handelt sich also um über einen langen Zeitraum entstandene Fotogramme, die nun als „Ready-mades“ ausgestellt werden und die Frage nach der Identität von Bildern stellen. Zu sehen sein werden Arbeiten aus der Gemäldegalerie Wilhelmshöhe und aus der Kunsthalle Bremen.

Die bis zu neun Meter langen Schattenbilder aus Kassel sind aus dickem, roten Filz, auf denen die Bilder und teilweise auch die Beschriftungen aus Plexiglas ihre Spuren hinterlassen haben. Der Stoff ist um die Bilder herum stark ausgeblichen, während der bei den Bremer Schattenbildern verwendete Leinenstoff im Laufe der Jahre nachgedunkelt ist.

In diesem Raum wird ebenfalls das Video von der Lesung mit Hanns Zischler als kleine Monitorarbeit gezeigt. Die Aufnahme fand damals vor einer roten Filzarbeit in der Akademie der Künste statt.

 

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