Lesung "Film B"
1. November 2007

Repertoire:
Tobias Schwartz wurde 1976 in Osnabrück/Niedersachsen geboren und ist in der Nähe der niederländischen Grenze
aufgewachsen. Seit 1997 lebt er in Berlin. Als freier Journalist schreibt er u.a. über Theater und Literatur.
Seit Mitte der neunziger Jahre sind drei Romane, mehrere Theaterstücke und etliche Erzählungen entstanden.
Leseprobe:
Auf der Besprechung habe ich der Chefärztin, die mich irritiert anblickte, den Vorschlag einer Annäherung von Pflegern und Patienten
unterbreitet. Wir sind doch auch eine Anstalt zur Dehospitalisierung, zur Resozialisierung, habe ich gesagt. Wenn nun die Pfleger selber alle gaga
wären, bei der Mehrzahl ist das ja schließlich schon längst der Fall, wenn nun die Pfleger selber geisteskranke Tendenzen hätten und nach solchen
Kriterien ausgewählt würden, hätten es da die Patienten nicht einfacher? Die sehen dann die Pfleger und denken sich, so zu werden ist nicht
schwer. Die Patienten werden von den Medikamenten kaputt gemacht, klar, die werden ruhig und klein gehalten. (…) Das schlechte Gewissen
hat den Nullpunkt erreicht, wenn die Geduld verbraucht ist. Wenn man von vornherein nur noch bekloppte Pfleger einstellt, ist die Angleichung
vollzogen. Man singt einfach mit, wenn der Herr A singt. Stellen sie bekloppte Pfleger ein, sage ich zur Chefin und werde deutlich. Damit die
Grenzen gleich verwischt sind und man sich den mühsamen Weg der Erkenntnis spart. (…)