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15. Mai – 21. Juni 1998

In zwei Ausstellungen werden Werke von Remigio Valdés de Hoyos und von Dieter Finke gezeigt, der eine ist Künstler aus Mexiko, der andere aus Deutschland. Zwei Orte, aber ein Projekt. Eine mexikanische Institution präsentiert den Maler und Bildhauer Finke, eine deutsche den Maler und Keramiker Valdés de Hoyos. Zwei Künstler im Austausch. Damit wird eine Tradition fortgesetzt, die dem beidseitigen Kennenlernen zweier unterschiedlicher Kulturen dient und zudem die beiden Metropolen und Partnerstädte Berlin und Mexiko-Stadt näher bringt.
In diesem Jahrhundert haben deutscher Expressionismus und Realismus in der mexikanischen Kunst, andererseits Wandmalerei und sozialkritische Grafik aus Mexiko in deutscher Kunst ihre Spuren hinterlassen. Mit den Werken von Beckmann, Kirchner, Grosz und Kollwitz dürfte man in Mexiko so vertraut sein wie mit denen von Orozco, Rivera, Siqueiros und Tamayo in Deutschland. Beispielhaft hat sich Geben und Nehmen auch in Arbeit und Einfluß einzelner deutscher Exilanten niedergeschlagen, die in Mexiko vor der Nazidiktatur Zuflucht fanden.
Wie kein anderer hat nach dem Krieg vor allem Mathias Goeritz - Maler, Bildhauer und Architekt - in Mexiko als Mittler zwischen den Kontinenten und mit seinem Werk in beide Richtungen gewirkt. Mexikanische Künstler zu Gast in Deutschland wie zuletzt der daad-Stipendiat Gabriel Orozco in Berlin - auch das bestärkt die gegenseitigem Bande.
Neben Austausch auf der individuellen Ebene bildet der institutionelle eine notwendige Ergänzung und eine wesentliche Basis zum Verständnis des anderen. In beiden deutschen Staaten fand mexikanische Kunst in vielen Ausstellungen ein breites Publikum, und deutsche Kunstschätze reisten über den Ozean. Das vereinte Deutschland, so steht zu hoffen, wird diese Tradition fortsetzen. Mexiko als Schwerpunkt der Frankfurter Buchmesse von 1992 bildete einen verheißungsvollen Auftakt. Mexikanische Museen zeigen immer wieder Gegenwartskunst aus Deutschland, und kürzlich erhielt der Maler Jörg Immendorf den angesehenen Preis des Museums für Zeitgenössische Kunst in Monterrey.
Die Ausstellungen von Remigio Valdés de Hoyos und Dieter Finke stellen einen direkten, zeitlich parallelen Austausch aus. sie stehen für die wachsende Kontinuität und Intensität der Beziehungen und die gegenseitige Bereitschaft, mehr voneinander zu erfahren und einander besser zu verstehen.
Michael Nungesser - Kunstwissenschaftler, Berlin