Arrivederci

10. Oktober – 8. November 1997

Arrivederci

Das war wir ästhetisches Bewußtsein nennen, ziehen wir meist aus der akzeptierten Erkenntnis der Allgemeinheit, und bringen sie als etwas standardisiertes an anderen und an uns selbst an. Als Beispiel gilt uns hier die Geschmacksbildung die langsame Assimilierung an vokalen Gepflogenheiten. Wir haben im Endeffekt nur Vertrauen zu den Standards, die wir in unserem Umfeld akzeptieren können, die von Diskursen geprägten Einstellungen. Die Malerei nahm über Jahrhunderte den Platz ein, der mitunter von anderen Ausrichtungen in der Kunst belegt ist, die Malerei, war bislang noch der Repräsentant einer zu reproduzierenden Welt, und ist erst seit Jahrzehnten dabei anderen künstlerischen Disziplinen einen höheren Rang zuzugestehen. (wie: Performance, Installation, etc.)

Malerei ist mehr oder minder in eine Form der Neigung abgerutscht die sich der Einzelne sich mehr oder minder zum Hauptthema seines Daseins macht.

Trotz allem läßt sich die Malerei nicht so leicht vom Sockel stoßen als die große Erbin, versiert in der Machenschaft Vorhandensein visuell zu diskutieren und ihnen einen tieferen Sinn zu geben. In allen gesellschaftlichen Bereichen ob Religion, Politik, etc.. tummelt sie sich thematisch und tobt sich aus.

Obwohl die Malerei in letzter Zeit an ihrem souveränen Stellenwert eingebüßt hat schafft sie es immer wieder sich künstlerisch in den Vordergrund zu spielen und ihren traditionellen Platz zu behaupten. Da sie, immer eine Leidenschaft bleiben wird.

Und weil die Liebe zu den Vorgängen immer sowohl einen traditionellen als auch einen innovativen Ausdruck finden, wird die Malerei nicht so leicht vom Sockel zu stoßen sein. Die Malerei schlängelt sich durch alle Gesellschaften, Nationen, Mentalitäten, ja sogar Ideologien hindurch, sie läßt sich historisch nicht verdrängen. Sie bleibt immer ein Ausdruck des freien Ausdrucks.

Hier in Europa hatten wir nachweislich genügend Bilderstürmer unter dem Vorwand der Ideologie (nehmen wir das III. Reich, Zwingli, Luther etc.). In Rotchina ist es fast bis heute noch verboten schwarz zu malen die Malerei wehrt sich gegen bestehende Zensuren, die die Freiheit des Ausdrucks einschränken wollen.

Aber wir wollen unsere Bilder, unsere Illusionen und Vorstellungen behalten, wir wollen unsere Wände mit Bildern von Schlangen, Monstren oder irgendwelchen gelben Sonnen behängen sehen, oder wir wollen ein dezentes Bild, an dem unser Auge sich weiden darf, ja wir wollen die Freiheit, uns unsere eigenen Bilder machen zu dürfen. Der eine findet es vielleicht verrückt einen Schuh an der Wand zu haben, der andere ein Bild, der andere überhaupt nichts. Abgesehen von denen die keine Wände haben oder haben wollen. Auf der anderen Seite jedoch wollen wir nicht nur den Teufel an die Wand malen (obwohl er gut an jede Wand paßt), sondern wir versuchen uns schon einmal an etwas lichteren Motiven.

Jeder weiß um den Sinn oder die Härte seines eigenen Daseins und in der Einlassung auf eine Beschäftigung, wie die Malerei, stoßen wir auf das Schöne. Schönheit gibt es überall, man muß sie nur entdecken.

Das abstrakte, bis hin zum Gegenstandslosen, läßt dem Maler genügend Spielraum neue Formen und Kompositionen zu entwickeln, und durch das Nicht – festgelegt - sein bleiben die Bilder reizvoll. Meine Bilder sind Versuche von Assoziation und Facetten, die das Vorstellungsvermögen anreizen sollen.

Gewisse gegenständliche Formen hingegen lassen nicht viel Raum für eigene Phantasien. Farben herausgenommen, aus ihrem natürlichen Zusammenhang und kompositorisch neu auf die Leinwand gebracht, ergeben oft eine neue Bedeutung, und heitern den sonst so schnöden Realismus einer kahlen Wand auf. Die Wand ist nun mal das worauf wir täglich sehen.

"Arrivederci" bezieht sich auf ein Bild, das ich zum Titel dieser Ausstellung gemacht habe. In diesem kleinen Bild spiegelt sich die Flüchtigkeit des Moments, das was wir uns als Reminiszenz selbst zusammenbasteln, in seiner ganzen süßen Verzerrung wieder.

"Arrivederci" heißt auch sich immer wieder von allzu festgelegten Formen zu verabschieden, um sich mit Neuem zu beschäftigen. Die Zeit wacht automatisch und willkürlich über diesem Gesetz der Veränderung.

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